Hormonelle Veränderungen in der Prämenopause und Menopause können das Auftreten eines Karpaltunnelsyndroms begünstigen. Besonders schwankende oder sinkende Östrogenspiegel beeinflussen Bindegewebe, Nerven und die Druckverhältnisse im Handgelenk.
Kribbeln, Taubheitsgefühle oder nächtliche Schmerzen in den Händen treten bei vielen Frauen erstmals in der Lebensmitte auf. Oft entstehen diese Beschwerden plötzlich und ohne erkennbare Veränderung im Alltag oder in der Belastung.
Ein möglicher Zusammenhang ist das Karpaltunnelsyndrom, das durch hormonelle Veränderungen in der Prämenopause oder Menopause begünstigt werden kann. Diese Phase ist kein Krankheitszustand, bringt jedoch körperliche Umstellungen mit sich, die bestimmte Strukturen empfindlicher machen können.
Dieser Beitrag hilft, die Zusammenhänge einzuordnen und typische Fragen aus dem Alltag zu beantworten.

Hormonelle Veränderungen in der Prämenopause und Menopause
Bereits Jahre vor der letzten Regelblutung beginnt sich der Hormonhaushalt zu verändern. In der Prämenopause schwanken Östrogen- und Progesteronspiegel teils deutlich.
Mit Eintritt der Menopause sinkt der Östrogenspiegel dauerhaft. Diese hormonellen Veränderungen wirken nicht nur auf Zyklus oder Temperaturregulation, sondern auch auf Bindegewebe, Nerven und Stoffwechselprozesse.
Warum kann das Karpaltunnelsyndrom gerade dann auftreten?
Der Karpaltunnel ist ein anatomisch enger Raum am Handgelenk. Schon geringe Veränderungen der Gewebespannung oder des Flüssigkeitshaushalts können dort den Druck auf den Nervus medianus erhöhen.
Viele Betroffene fragen sich, warum Beschwerden auftreten, obwohl sie ihre Hände nicht stärker belasten als zuvor. Die Erklärung liegt häufig nicht in einer Überlastung, sondern in veränderten körperlichen Voraussetzungen, auf die der Nerv empfindlich reagiert.
Spielen Hormone und Wassereinlagerungen eine Rolle?
Hormonelle Schwankungen können die Eigenschaften von Bindegewebe verändern und die Neigung zu leichten Schwellungen fördern, auch an Händen und Fingern.
Solche Wassereinlagerungen sind oft nicht sichtbar, reichen aber aus, um den Druck im Karpaltunnel zu erhöhen. Typisch ist, dass Beschwerden nachts auftreten oder zyklusabhängig schwanken, etwa kurz vor der Menstruation stärker werden und danach wieder nachlassen.
Typische Symptome
Die Beschwerden entsprechen denen eines klassischen Karpaltunnelsyndroms:
- Kribbeln oder Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger
- nächtliches Einschlafen der Hände
- Schmerzen im Handgelenk, evtl. ausstrahlend
- morgendliche Steifigkeit oder Kraftminderung
- vorübergehende Besserung durch Ausschütteln der Hand
Der kleine Finger bleibt meist beschwerdefrei, was bei der Abgrenzung hilfreich ist.

Wann sollte man genauer hinschauen?
Viele Frauen sind verunsichert, wenn parallel zu den Handsymptomen auch andere Veränderungen auftreten – etwa Zyklusstörungen, Hitzewallungen oder Schlafprobleme.
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn die Beschwerden anhalten, zunehmen oder den Schlaf regelmäßig stören. Dabei kann es wichtig sein, hormonelle Faktoren oder begleitende Stoffwechselveränderungen miteinzubeziehen (z. B. die Schilddrüsenfunktion).
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Konservative Maßnahmen stehen im Vordergrund. Ziel ist es, den Nerv zu entlasten und belastende Faktoren zu reduzieren.
Dazu gehören unter anderem:
- nächtliche Handgelenksschienen
- Verringerung belastender Tätigkeiten
- ergonomische Veränderungen im Alltag (z. B. Tastatur)
Hormonelle Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel werden häufig diskutiert, sollten jedoch nicht ohne ärztliche Rücksprache eingesetzt werden.
Ist eine Operation notwendig?
Eine Operation ist nur selten erforderlich. Sie kommt vorwiegend dann infrage, wenn die Beschwerden ausgeprägt sind oder sich trotz konservativer Maßnahmen nicht bessern.
Gerade in hormonellen Übergangsphasen ist Zurückhaltung sinnvoll, da sich Beschwerden im Verlauf oft zurückbilden.
Einordnung zum Abschluss
Das Karpaltunnelsyndrom kann in der Prämenopause und Menopause durch hormonelle und stoffwechselbedingte Veränderungen begünstigt werden. Die Symptome treten häufig schleichend auf und werden nicht immer sofort richtig zugeordnet.
Eine sachliche Einordnung hilft, unnötige Sorgen zu vermeiden und fundierte Entscheidungen zu treffen.
Grundlagen zu Ursachen, Symptomen und Diagnose finden Sie hier.
Mehr über konservative Behandlungsmöglichkeiten beim Karpaltunnelsyndrom lesen Sie hier:
https://carpaltunnelsyndrom.at/karpaltunnelsyndrom-ohne-op-konservative-behandlungsmoeglichkeiten/
Wie sich einem Karpaltunnelsyndrom langfristig vorbeugen lässt und welche Maßnahmen im Alltag hilfreich sein können, erfahren Sie in diesem Beitrag:
https://carpaltunnelsyndrom.at/karpaltunnelsyndrom-vorbeugen-welche-massnahmen-sinnvoll-sind/