Viele Betroffene haben Angst vor einer Karpaltunnel-Operation. Dieser Beitrag erklärt anhand von fünf sachlichen Fakten, was bei dem Eingriff tatsächlich passiert, wie belastend er wirklich ist – und welche Sorgen medizinisch begründet sind und welche nicht.)
Selbst bei einer klaren Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms zögern viele Betroffene, sich für eine Operation am Handgelenk zu entscheiden.
Das Zögern ist oft in Bedenken und Unsicherheiten begründet:
Die Angst vor Schmerzen ist dabei genauso vertreten wie die vor bleibenden Schäden oder davor, die Hand nach der OP nicht mehr richtig benutzen zu können.
In diesem Beitrag geht es darum, darzustellen, was bei einer Karpaltunnel-Operation tatsächlich passiert, welche Befürchtungen berechtigt sind und welche eher aus Unsicherheit als aus medizinischer Realität entstehen.
1. Die Operation ist ein bewährter, standardisierter Eingriff
Die Operation des Karpaltunnels gehört zu den häufigsten handchirurgischen Eingriffen.
Sie wird seit Jahrzehnten durchgeführt und ist technisch gut etabliert.
Das Ziel ist immer dasselbe: den Druck vom Nervus medianus zu nehmen, indem das einengende Band im Handgelenk durchtrennt wird. Der Nerv selbst wird dabei nicht „repariert“ oder manipuliert – er bekommt schlicht wieder mehr Platz.
Der entscheidende Punkt:
Es handelt sich nicht um einen komplexen Wiederaufbau, sondern um eine mechanische Entlastung. Genau deshalb ist der Eingriff in der Regel gut kalkulierbar.
2. Die Operation erfolgt meist ohne Vollnarkose
Ein häufiger Angstfaktor ist die Narkose. Tatsächlich wird die Karpaltunnel-Operation in den meisten Fällen in lokaler Betäubung durchgeführt.
Das bedeutet: Die Hand wird gezielt schmerzfrei gemacht, die Patienten bleiben wach.
Viele empfinden dies als Vorteil, weil der Körper insgesamt weniger belastet wird.
Eine Vollnarkose ist nur in bestimmten Situationen nötig, etwa bei ausgeprägter Angst oder zusätzlichen medizinischen Gründen. Sie ist aber keineswegs der Standard.
3. Die postoperative Schmerzbelastung ist in der Regel gering
Viele erwarten nach dem Eingriff starke oder langanhaltende Schmerzen. In der Realität ist das meist nicht der Fall.
Natürlich kann das Operationsgebiet in den ersten Tagen spannen oder druckempfindlich sein. Das ist normal. Mit gängigen Schmerzmitteln lässt sich dies in der Regel gut kontrollieren.
Wichtig ist die Unterscheidung: Wundschmerz ist etwas anderes als Nervenschmerz. Der typische nächtliche Schmerz oder das Kribbeln, das viele vor der Operation quält, bessert sich oft rasch, manchmal schon in den ersten Tagen.
4. Die Hand ist schnell wieder beweglich
Ein weitverbreiteter Irrtum ist, dass die Hand nach der Operation lange ruhiggestellt werden muss. Das Gegenteil ist der Fall.
Schon kurz nach dem Eingriff dürfen – und sollen – die Finger bewegt werden. Eine komplette Ruhigstellung wäre sogar kontraproduktiv.
Alltägliche Tätigkeiten sind meist nach kurzer Zeit wieder möglich. Schweres Heben oder starke Belastungen brauchen etwas Geduld, aber eine monatelange Einschränkung ist nicht die Regel.
Entscheidend ist, die Heilung nicht zu erzwingen, aber auch nicht unnötig zu bremsen.
5. Eine rechtzeitige Operation kann den Nerv schützen
Dieser Punkt wird oft unterschätzt. Ein dauerhaft eingeengter Nerv kann Schaden nehmen. Wenn Taubheitsgefühle, Kraftverlust oder Muskelabbau bereits vorhanden sind, bedeutet das: Der Nerv leidet schon länger.
In solchen Fällen ist Abwarten keine „neutrale“ Entscheidung. Je länger der Druck besteht, desto geringer ist die Chance, dass sich der Nerv vollständig erholt.
Eine Operation ist dann eine sinnvolle Maßnahme, um weitere Verschlechterung zu verhindern.
Fazit: Angst ist verständlich – Klarheit ist wichtiger
Die Angst vor einer Karpaltunnel-Operation entsteht meist aus Unsicherheit, nicht aus Fakten. Der Eingriff ist etabliert, technisch überschaubar und in den meisten Fällen gut verträglich.
Das heißt nicht, dass jede Operation harmlos ist oder dass es Garantien gibt. Die gibt es in der Medizin nicht. Aber die Risiken sind bekannt, beherrschbar und stehen in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen.
Entscheidend sind eine verlässliche Diagnose, eine umfassende Aufklärung und eine realistische Erwartungshaltung. Genau dort sollte das Gespräch beginnen (nicht bei etwaigen Horrorgeschichten aus dem Internet).
Wenn Sie verstehen, was gemacht wird und warum, verliert die Operation oft einen großen Teil ihres Schreckens.
Möchten Sie sich näher mit dem Thema beschäftigen? Hier finden Sie eine sachliche Übersicht über den Ablauf der Karpaltunnel-Operation, die Nachsorge und die Erholungsphase sowie eine Gegenüberstellung der offenen und der endoskopischen Karpaltunnel-OP, mit einer Entscheidungshilfe, welche Methode in welcher Situation sinnvoll sein kann.