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Karpaltunnelsyndrom bei Schilddrüsenunterfunktion: Wenn der Stoffwechsel den Nerv belastet

Karpaltunnelsyndrom bei Schilddrüsenunterfunktion: Wenn der Stoffwechsel den Nerv belastet

Eine Schilddrüsenunterfunktion erhöht das Risiko für ein Karpaltunnelsyndrom – durch Gewebsveränderungen, Wassereinlagerungen und eine verlangsamte Nervenfunktion. In manchen Fällen sind Kribbeln und Taubheit in den Händen sogar der erste Hinweis auf eine noch unerkannte Hypothyreose. Dieser Beitrag erklärt die Zusammenhänge und zeigt, was eine Behandlung der Schilddrüse für die Handbeschwerden bewirken kann.

Kribbeln in den Fingern, nächtliche Taubheit, nachlassende Griffkraft – wer diese Beschwerden kennt, denkt meist nicht sofort an die Schilddrüse. Dabei ist der Zusammenhang gut belegt: Eine Schilddrüsenunterfunktion erhöht das Risiko für ein Karpaltunnelsyndrom deutlich.

In manchen Fällen können Handgelenksbeschwerden auf eine noch unerkannte Hypothyreose hinweisen – noch bevor andere typische Symptome wie Müdigkeit oder Gewichtszunahme auftreten.

Dieser Beitrag erklärt, warum das so ist, worauf Betroffene achten sollten und was eine Behandlung der Grunderkrankung bewirken kann.

Warum eine Schilddrüsenunterfunktion das Karpaltunnelsyndrom begünstigt

Bei einer Hypothyreose produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. Das verlangsamt den gesamten Stoffwechsel – und das hat Folgen weit über Müdigkeit und Gewichtszunahme hinaus.

Mehrere Mechanismen können dabei den Druck im Karpaltunnel erhöhen:

Einlagerung von Mukopolysacchariden im Bindegewebe
Bei Hypothyreose lagern sich bestimmte Zuckermoleküle (Mukopolysaccharide) im Bindegewebe ein. Das führt zu einer charakteristischen teigigen Schwellung, dem sogenannten Myxödem. Auch im Bereich des Handgelenks kann sich das Gewebe auf diese Weise verändern – und den ohnehin engen Karpaltunnel zusätzlich verengen.

Wassereinlagerungen
Der verlangsamte Stoffwechsel begünstigt allgemeine Gewebeschwellungen. Selbst wenn diese an den Händen äußerlich kaum sichtbar sind, reichen geringe Volumenzunahmen im Karpaltunnel aus, um den Nervus medianus zu reizen. Auch bei hormonellen Veränderungen in der Menopause ist dieser Mechanismus bekannt.

Veränderte Nervenleitung
Schilddrüsenhormone sind mitverantwortlich für die Funktion peripherer Nerven. Bei einem Mangel kann die Nervenleitung verlangsamt werden – unabhängig von einer mechanischen Einengung.

Das Zusammenspiel dieser drei Faktoren erklärt, warum das Karpaltunnelsyndrom bei Hypothyreose nicht nur häufiger auftritt, sondern auch hartnäckiger verlaufen kann.

Karpaltunnelsyndrom als erstes Zeichen einer Hypothyreose

Das ist klinisch beobachtet und wird im klinischen Alltag dennoch häufig übersehen: Das Karpaltunnelsyndrom kann der Hypothyreose zeitlich vorausgehen.

Wer Handgelenksbeschwerden entwickelt, ohne eine offensichtliche Ursache – keine körperlich belastende Arbeit, kein Sport, kein Trauma – sollte auch an eine Stoffwechselursache denken. Besonders dann, wenn gleichzeitig vorhanden:

  • anhaltende Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Kälteempfindlichkeit
  • trockene Haut oder brüchige Nägel
  • Gewichtszunahme ohne veränderte Ernährung
  • Konzentrationsprobleme


Diese Kombination ist kein Zufall. Sie deutet auf eine systemische Ursache hin, die über das Handgelenk hinausgeht.

Typische Symptome und wie sie sich zeigen

Die Beschwerden eines KTS bei Hypothyreose unterscheiden sich nicht grundlegend von denen anderer Ursachen. Typisch sind:

  • Kribbeln oder Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger
  • nächtliches Einschlafen der Hände
  • Schmerzen im Handgelenk, die in Unterarm oder Schulter ausstrahlen können
  • morgendliche Steifigkeit oder verminderte Kraft beim Greifen
  • vorübergehende Besserung durch Ausschütteln der Hand


Der kleine Finger bleibt in der Regel beschwerdefrei – dieses Merkmal hilft bei der Abgrenzung zu anderen Nervenerkrankungen.

Ein Hinweis auf eine Stoffwechselursache kann sein, wenn die Beschwerden beidseitig auftreten oder wenn sie sich trotz konservativer Maßnahmen nicht bessern.

Was eine Behandlung der Schilddrüse bewirken kann

Das ist der entscheidende Unterschied zu anderen Ursachen eines Karpaltunnelsyndroms: Wenn die Grunderkrankung behandelt wird, können sich die Handbeschwerden deutlich verbessern – manchmal sogar vollständig zurückbilden.

Bei nachgewiesener Hypothyreose wird die fehlende Schilddrüsenhormonproduktion durch die Einnahme von Levothyroxin ausgeglichen. Normalisiert sich der Hormonspiegel, bilden sich häufig auch die Gewebsschwellungen und Einlagerungen zurück. Der Druck im Karpaltunnel sinkt, der Nerv kann sich erholen.

Das bedeutet: Wer ein Karpaltunnelsyndrom bei gleichzeitig bestehender oder unbehandelter Hypothyreose hat, sollte zuerst die Schilddrüse behandeln lassen – bevor operative Maßnahmen am Handgelenk in Betracht gezogen werden.

Wann ist trotzdem eine Operation sinnvoll?

Wenn die Hypothyreose bereits behandelt ist und die Handbeschwerden trotzdem anhalten oder sich verschlechtern, ist eine weitergehende Abklärung notwendig. In diesem Fall liegt wahrscheinlich eine mechanische Einengung vor, die sich durch die Stoffwechselbehandlung allein nicht auflöst.

Eine Operation ist auch dann zu erwägen, wenn die Nervenschädigung bereits fortgeschritten ist, anhaltende Taubheitsgefühle bestehen und/oder die Muskulatur am Daumenballen bereits sichtbar abnimmt. 
Konservative Maßnahmen über mehrere Monate konnten keine ausreichende Verbesserung bringen.

Diagnostik: Darauf sollte geachtet werden

Bei Verdacht auf ein KTS mit möglicher Stoffwechselursache ist eine vollständige Abklärung wichtig. Dazu gehören neben der klinischen Untersuchung und der Nervenleitgeschwindigkeitsmessung auch Laborwerte – insbesondere TSH, fT3 und fT4.

Wer bereits wegen einer Schilddrüsenerkrankung in Behandlung ist und neue Handgelenkbeschwerden entwickelt, sollte beide Themen beim nächsten Arzttermin ansprechen. Der Zusammenhang wird im klinischen Alltag nicht immer von selbst hergestellt.

Medizinische Einordnung

Das Karpaltunnelsyndrom bei Schilddrüsenunterfunktion ist kein seltener Zufallsbefund. Es ist ein gut erklärter Zusammenhang, der in der Praxis aber häufig zu spät erkannt wird.

Wer Missempfindungen in den Händen entwickelt und gleichzeitig Zeichen eines verlangsamten Stoffwechsels bemerkt, sollte beides zusammen abklären lassen. Eine frühzeitige Diagnose der Hypothyreose kann nicht nur die Schilddrüse behandeln – sondern auch die Hände.

Dr. Georg Bézard

Mein Name ist Dr. Georg Bézard

Ich bin Facharzt für Orthopädie, Traumatologie und Unfallchirurgie mit Spezialisierung auf die arthroskopische und endoskopische Chirurgie. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Tätigkeit liegt seit vielen Jahren auf der endoskopischen Behandlung des Karpaltunnelsyndroms, auf das ich mich konsequent spezialisiert habe. Die kameraassistierte Schlüsselloch-Technik verbindet für mich moderne Gelenkchirurgie mit präziser Handchirurgie. In meiner Praxis, auf meinen digitalen Kanälen und in meinem Newsletter erkläre ich medizinische Zusammenhänge verständlich und klar.

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