Rheumatische Entzündungen betreffen nicht nur die Gelenke, sondern auch Sehnenscheiden und umliegendes Gewebe.
Im engen Karpaltunnel kann bereits eine leichte Schwellung ausreichen, um den Medianusnerv zu belasten und ein Karpaltunnelsyndrom auszulösen.
Bei rheumatischen Erkrankungen kann es durch Entzündungen und Schwellungen im Handgelenk zu einem erhöhten Druck auf den Nervus medianus kommen.
Das Karpaltunnelsyndrom ist dabei keine zufällige Begleiterscheinung, sondern häufig eine direkte Folge der entzündlichen Prozesse.

Rheuma und Karpaltunnelsyndrom: kein Zufall, sondern Zusammenhang
Menschen mit Rheuma kennen Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit.
Treten zusätzlich nächtliches Kribbeln, Taubheitsgefühle in den Fingern oder eine nachlassende Handkraft auf, wird das oft zunächst dem Rheuma selbst zugeschrieben.
Tatsächlich steckt in vielen Fällen ein Karpaltunnelsyndrom dahinter.
Es entsteht nicht unabhängig von der Grunderkrankung (Rheuma), sondern wird durch die entzündlichen Veränderungen begünstigt und bleibt deshalb häufig zu lange unerkannt.
Warum rheumatische Erkrankungen das Risiko erhöhen
Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis ist die Gelenkinnenhaut dauerhaft oder schubweise entzündet.
Diese Entzündung führt zu:
- Schwellung der Gelenk- und Sehnenscheidenstrukturen
- vermehrter Flüssigkeitsbildung
- Verdickung von Gewebe im Bereich des Handgelenks
Der Karpaltunnel ist anatomisch eng. Bereits leichte Schwellungen im Handgelenk können den Druck auf den Medianusnerv steigern.
Zusätzlich können chronische Entzündungen Fehlstellungen oder Sehnenveränderungen verursachen, die den Druck weiter verstärken.
Besonders gefährdet sind Rheuma-Patienten mit lange andauernden entzündlichen Schüben, Beteiligung der Handgelenke im Krankheitsbild, zusätzlichem Diabetes mellitus oder Schilddrüsenerkrankungen und unzureichend kontrollierter Grunderkrankung.
Typisch ist, dass sich die Beschwerden parallel zu rheumatischen Schüben verschlechtern: ein wichtiger Hinweis auf den Zusammenhang.

Typische Symptome: wann mehr als „nur Rheuma“ dahintersteckt
Ein Karpaltunnelsyndrom entwickelt sich bei Menschen mit Rheuma häufig schleichend und wird anfangs leicht übersehen. Die Beschwerden ähneln teilweise rheumatischen Gelenksymptomen, unterscheiden sich jedoch in entscheidenden Punkten.
Typische Hinweise sind:
- nächtliches Kribbeln oder Taubheitsgefühle der Hände
- Missempfindungen in Daumen, Zeige- und Mittelfinger
- Schmerzen im Handgelenk, teils ausstrahlend in Unterarm oder Schulter
- morgendliche Steifigkeit oder nachlassende Handkraft
- vorübergehende Besserung durch Ausschütteln der Hand
Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einem Abbau der Daumenballenmuskulatur kommen – ein Hinweis auf länger bestehenden Nervendruck.
Rheumatische Gelenkschmerzen betreffen meist mehrere Gelenke symmetrisch und gehen mit sichtbarer Schwellung oder Überwärmung einher. Das Karpaltunnelsyndrom zeigt sich dagegen häufig einseitig, verstärkt sich nachts, folgt einem typischen Nervenmuster und bessert sich kurzfristig durch Ausschütteln.
Diese Symptome sind nicht einfach Teil des Rheumas, sondern Ausdruck einer zusätzlichen Nervenbelastung.
Praktische Hinweise zur Selbstbeobachtung
Folgende Beobachtungen können helfen, ein Karpaltunnelsyndrom frühzeitig zu erkennen:
- Treten Beschwerden regelmäßig nachts auf?
- Bessern sich Kribbeln oder Taubheit durch Lagewechsel oder Schütteln der Hand?
- Verstärken sich Symptome bei längeren Tätigkeiten wie Tippen, Handarbeiten oder Telefonieren?
- Fällt das Greifen kleiner Gegenstände zunehmend schwer?
Eine Dokumentation von Häufigkeit, Dauer und Intensität der Beschwerden kann die ärztliche Abklärung erleichtern.
Behandlung im Alltag
Bei rheumatischen Erkrankungen steht immer die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.
Zusätzlich können gezielte Maßnahmen den Medianusnerv entlasten:
- nächtliche Handgelenksschienen
- ergonomische Anpassungen im Alltag (Büro, Haushalt etc.)
- regelmäßige Pausen bei einseitiger Belastung
- vorsichtige Schonung entzündeter Phasen
Wärme wird von manchen Betroffenen als angenehm empfunden, insbesondere bei begleitender Muskelspannung. Sie kann Symptome lindern, verändert jedoch nicht die mechanische Enge im Karpaltunnel.
Wichtig: Symptomlinderung ersetzt keine ärztliche Abklärung.
Wann ist ärztliche Abklärung notwendig?
Eine fachliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn nächtliche Beschwerden regelmäßig auftreten, die Taubheitsgefühle anhalten, die Kraft in der Hand nachlässt und sich die Symptome trotz Rheumatherapie verschlechtern.
Je früher der Nerv entlastet wird, desto besser sind die Chancen, dauerhafte Schäden zu vermeiden.
Therapieoptionen bei rheumabedingtem Karpaltunnelsyndrom
Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad und Verlauf.
- Zunächst kommen konservative Maßnahmen wie nächtliche Handgelenksschienen und ergonomische Anpassungen im Alltag zum Einsatz.
- Injektionen können entzündlich bedingte Schwellungen vorübergehend reduzieren,
- physiotherapeutische Maßnahmen unterstützen die Entlastung des Nervs.
Bleiben die Beschwerden oder zeigen sich Hinweise auf eine Nervenschädigung, kann eine operative Entlastung notwendig werden. Dabei wird das einengende Band über dem Karpaltunnel durchtrennt, um dem Nerv dauerhaft mehr Platz zu verschaffen.
Die Prognose ist in der Regel gut, sofern die Behandlung rechtzeitig erfolgt.
→ Bei Rheuma-Betroffenen ist die Optimierung der antirheumatischen Therapie ein zentraler Behandlungsansatz. Eine bessere Entzündungskontrolle durch angepasste Basismedikamente kann die Schwellungen im Handgelenk reduzieren und damit den Druck auf den Nerv verringern.
Deshalb sollte bei neu auftretendem Karpaltunnelsyndrom immer auch die Rheuma-Therapie überprüft werden.
Einordnung zum Abschluss
Das Karpaltunnelsyndrom ist bei Rheuma kein Nebenschauplatz.
Es ist eine häufige, erklärbare Folge chronischer Entzündungsprozesse und sollte nicht bagatellisiert werden.
Eine klare Unterscheidung zwischen rheumatischen Gelenkbeschwerden und zusätzlicher Nervenbelastung ist entscheidend.
Wer Warnsignale ernst nimmt und frühzeitig abklären lässt, kann Funktionsverlust vermeiden und die Hand langfristig schützen.
Hier finden Sie eine sachliche Übersicht zu den typischen Symptomen des Karpaltunnelsyndroms und deren Einordnung: Karpaltunnelsyndrom erkennen – Ursachen, Symptome und Diagnose