Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen in der Hand können sowohl durch ein Karpaltunnelsyndrom als auch durch einen Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule entstehen.
Trotz ähnlicher Symptome unterscheiden sich Ursache, Verlauf und Behandlung deutlich.
Kribbeln in den Fingern, ein „Einschlafen“ der Hand oder Schmerzen im Arm sorgen häufig für Verunsicherung. Viele Betroffene fragen sich, ob die Ursache im Handgelenk liegt oder ob ein Problem an der Halswirbelsäule dahintersteckt.
Besonders häufig stehen dabei zwei Diagnosen im Raum: das Karpaltunnelsyndrom bzw. ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule.
Beide Erkrankungen betreffen Nerven und können ähnliche Beschwerden verursachen. Dennoch entstehen sie an völlig unterschiedlichen Stellen und erfordern unterschiedliche Behandlungsansätze.
Dieser Beitrag hilft, die typischen Unterschiede zu verstehen und die Beschwerden besser einzuordnen.
Was passiert beim Karpaltunnelsyndrom im Handgelenk?
Beim Karpaltunnelsyndrom kommt es zu einer Druckerhöhung im Bereich des Handgelenks. Dort verläuft der Nervus medianus durch einen engen anatomischen Kanal, den sogenannten Karpaltunnel.
Dieser Nerv ist zuständig für die Sensibilität von Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie der dem Daumen zugewandten Hälfte des Ringfingers.
Zusätzlich steuert er bestimmte Muskeln der Hand, vor allem im Daumenbereich.
Wird der Platz im Karpaltunnel enger – etwa durch Schwellungen von Sehnen oder umliegendem Gewebe – steigt der Druck auf den Nerv. Dadurch wird seine Durchblutung beeinträchtigt, die Nervenleitung verlangsamt sich und es entstehen Missempfindungen, Schmerzen oder Kraftverlust.
Typisch ist, dass die Beschwerden ihren Ursprung im Handgelenk haben und sich von dort aus entwickeln.

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule?
Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule entsteht im Bereich des Nackens. Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern liegen Bandscheiben, die als Stoßdämpfer dienen.
Reißt der äußere Faserring einer Bandscheibe teilweise oder vollständig, kann sich der innere Kern nach außen vorwölben. Trifft dieser auf eine Nervenwurzel, kommt es zu einer Reizung oder Kompression.
Diese Nervenwurzeln ziehen vom Nacken über Schulter und Arm bis in die Hand. Wird eine von ihnen beeinträchtigt, entstehen Beschwerden entlang dieses Verlaufs, unabhängig davon, wo der eigentliche Schaden sitzt.
Deshalb werden Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall oft nicht im Nacken selbst, sondern im Arm oder in der Hand wahrgenommen.
Warum ähneln sich die Symptome?
Nerven leiten Signale über festgelegte Bahnen. Wird ein Nerv irgendwo entlang seines Verlaufs gereizt, interpretiert das Gehirn den Schmerz dort, wo dieser Nerv normalerweise „endet“.
Ein Problem an der Halswirbelsäule kann sich daher als Kribbeln oder Schmerz in der Hand äußern. Dieses Phänomen wird als radikulärer oder neuropathischer Schmerz bezeichnet.
Genau dieser Mechanismus macht die Unterscheidung im Alltag schwierig.
Symptome, die eher für ein Karpaltunnelsyndrom sprechen
Bestimmte Merkmale sprechen eher für eine Ursache im Handgelenk:
- Kribbeln oder Taubheit betreffen vor allem Daumen, Zeige- und Mittelfinger
- der kleine Finger bleibt meist beschwerdefrei
- Beschwerden treten häufig nachts oder morgens auf
- Ausschütteln der Hand bringt kurzfristige Erleichterung
- leichtes Beklopfen der Innenseite des Handgelenks kann ein elektrisierendes Gefühl auslösen
Die Symptome entwickeln sich oft schleichend und sind lageabhängig.
Symptome, die eher für einen Bandscheibenvorfall in der HWS sprechen
Andere Zeichen deuten eher auf eine Ursache an der Halswirbelsäule hin:
- Schmerzen beginnen im Nacken oder in der Schulter
- Ausstrahlung über den Arm bis in die Hand
- auch der kleine Finger kann betroffen sein
- Beschwerden verändern sich bei Kopfbewegungen
- häufig bestehen zusätzlich Nackensteife oder Bewegungseinschränkungen
Die Symptome sind oft stärker bewegungsabhängig und können plötzlich auftreten.
Warum die Abgrenzung zwischen Karpaltunnelsyndrom und Bandscheibenvorfall wichtig ist
Auch wenn sich die Beschwerden ähnlich anfühlen können, unterscheiden sich Diagnostik und Therapie deutlich:
Ein Karpaltunnelsyndrom wird primär am Handgelenk behandelt, meist zunächst konservativ, in bestimmten Fällen operativ.
Ein Bandscheibenvorfall erfordert dagegen eine Beurteilung der Wirbelsäule und ein anderes therapeutisches Vorgehen.
Eine falsche Zuordnung kann dazu führen, dass Maßnahmen wirkungslos bleiben oder sich Beschwerden unnötig verlängern.

Wann sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen?
Eine fachliche Abklärung ist sinnvoll, wenn
- Beschwerden länger anhalten
- Taubheitsgefühle zunehmen
- Kraftverlust auftritt
- Schmerzen den Schlaf regelmäßig stören
- sich Symptome ausbreiten oder verändern
Je nach Ausprägung kommen körperliche Tests, Nervenleitmessungen oder bildgebende Verfahren wie eine MRT-Untersuchung zum Einsatz.
Abschließende Einordnung: Genaues Beobachten hilft – Abklärung schafft Klarheit
Karpaltunnelsyndrom und Bandscheibenvorfall können ähnliche Symptome verursachen, haben jedoch unterschiedliche Ursachen. Der Beginn der Beschwerden, die betroffenen Finger, die Abhängigkeit von Bewegung und der zeitliche Verlauf liefern wichtige Hinweise.
Eine sachliche Einordnung ersetzt jedoch keine medizinische Abklärung. Je früher die Ursache klar ist, desto gezielter und sinnvoller kann behandelt werden.
Unsicherheit ist in diesem Zusammenhang kein Zeichen von Übervorsicht, sondern von Aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen Körper.
Mehr über die typischen Symptome des Karpaltunnelsyndroms und der Diagnose finden Sie in Karpaltunnelsyndrom: Diagnose und Untersuchungsmethoden einfach erklärt