Viele Menschen mit Rheuma kennen die typischen Beschwerden: schmerzende Gelenke, Schwellungen, Morgensteifigkeit. Doch wenn plötzlich die Hände nachts kribbeln, Finger taub werden und die Kraft im Alltag nachlässt, steckt oft mehr dahinter. Das Karpaltunnelsyndrom (CTS) ist nicht nur eine Begleiterscheinung, sondern eine direkte Folge der entzündlichen Prozesse bei rheumatischen Erkrankungen und wird häufig unterschätzt.

Warum Rheuma das Risiko erhöht
Bei rheumatoider Arthritis oder anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen entzündet sich die Gelenkinnenhaut. Sie schwillt an, produziert Flüssigkeit und verengt den Karpaltunnel. Auch Sehnenscheidenentzündungen und Fehlstellungen durch chronische Entzündung tragen dazu bei. Das bedeutet: Rheuma-Patientinnen und -Patienten entwickeln deutlich häufiger ein CTS, oft parallel zu Schüben. Die entzündliche Aktivität verstärkt die Beschwerden und macht sie schwerer behandelbar, wenn nicht früh gegengesteuert wird.
Symptome, die ernst genommen werden sollten
Das CTS zeigt sich zunächst durch nächtliches Kribbeln und Schmerzen, die bis in den Unterarm ausstrahlen können. Mit der Zeit kommen Taubheitsgefühle hinzu, vor allem in Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Viele Betroffene berichten, dass sie kleine Gegenstände nicht mehr sicher greifen können oder die Handkraft nachlässt. Im fortgeschrittenen Stadium kann sogar die Daumenballenmuskulatur sichtbar schwinden. Diese Entwicklung ist nicht nur belastend, sondern kann zu dauerhaften Nervenschäden führen, wenn sie unbehandelt bleibt.
Praktische Tipps zur Erkennung für Patient:innen
- Symptome beobachten: Achten Sie darauf, ob Kribbeln oder Taubheit regelmäßig nachts auftreten und ob sie sich durch Schütteln der Hand bessern.
- Belastung prüfen: Treten Beschwerden verstärkt nach längerer Computerarbeit, Handarbeiten oder beim Telefonieren auf, ist das ein Hinweis auf CTS.
- Feinmotorik testen: Versuchen Sie, kleine Gegenstände wie Münzen oder Knöpfe zu greifen. Wenn das zunehmend schwerfällt, sollten Sie ärztliche Hilfe suchen.
- Symptome dokumentieren: Notieren Sie Häufigkeit, Dauer und Intensität der Beschwerden. Diese Informationen helfen der Ärztin oder dem Arzt bei der Diagnose.

Praktische Tipps zur Behandlung im Alltag
- Handgelenksschiene nachts tragen: Sie hält das Handgelenk in neutraler Position und entlastet den Nerv.
- Ergonomische Anpassungen: Nutzen Sie ergonomische Tastaturen, gepolsterte Handauflagen oder spezielle Griffe, um Druck zu reduzieren.
- Pausen einlegen: Unterbrechen Sie monotone Bewegungen regelmäßig und lockern Sie die Hände.
- Wärme und Schonung: Halten Sie die Hände warm, vermeiden Sie aber Überwärmung. Wärme kann die Durchblutung fördern und Beschwerden lindern.
- Frühzeitig ärztliche Abklärung: Warten Sie nicht, bis die Beschwerden chronisch werden. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Chancen, Nervenschäden zu verhindern.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie reicht von konservativen Maßnahmen bis hin zur Operation. Handgelenksschienen können nachts für Entlastung sorgen, ergonomische Anpassungen im Alltag reduzieren den Druck. Kortison-Injektionen helfen kurzfristig, Schwellungen zu verringern. Physiotherapie mit Nerven-Gleitübungen unterstützt die Beweglichkeit. Wenn die Beschwerden jedoch anhalten oder die Nervenleitgeschwindigkeit deutlich eingeschränkt ist, wird eine Operation notwendig. Dabei wird das Karpalband gespalten, um den Nervus medianus dauerhaft zu entlasten. Die Prognose ist meist gut, vorausgesetzt, die Behandlung erfolgt rechtzeitig.
Fazit
Das Karpaltunnelsyndrom ist bei Rheuma kein Nebenschauplatz, sondern eine direkte Folge der Entzündung. Es kann die Lebensqualität massiv einschränken, wenn es nicht erkannt und behandelt wird. Wer die Warnsignale ernst nimmt und früh handelt, kann Schmerzen und Funktionsverlust verhindern. Die Kombination aus konsequenter Rheumatherapie und gezielter CTS-Behandlung bietet die besten Chancen, wieder schmerzfrei durch den Alltag zu gehen. Hier finden Sie weitere Infos zu Symptomen des CTS.