Wenn nach einer Karpaltunnel-Operation erneut Schmerzen oder Taubheit auftreten, kann ein Rezidiv oder eine Narbenproblematik vorliegen. Der Beitrag erklärt Ursachen, Diagnostik und wann ein Revisionseingriff sinnvoll ist.
Ein operatives Vorgehen beim Karpaltunnelsyndrom führt in den meisten Fällen zu einer deutlichen Entlastung des Nervus medianus. Schmerzen, nächtliches Kribbeln und Taubheitsgefühle bessern sich häufig rasch.
Umso verunsichernder ist es, wenn Monate oder Jahre nach einer Karpaltunnel-Operation erneut Beschwerden auftreten. Viele Betroffene stellen sich dann dieselben Fragen:
Ist der Eingriff „misslungen“? Ist der Nerv dauerhaft geschädigt? Muss erneut operiert werden?
Dieser Beitrag ordnet ein, was hinter wiederkehrenden Symptomen stecken kann und wann ein Revisionseingriff sinnvoll ist.
Karpaltunnelsyndrom nach OP: Wann spricht man von einem Rezidiv?
Nicht alle Beschwerden nach einer Operation bedeuten automatisch ein „echtes“ Rezidiv.
Grundsätzlich unterscheidet man:
– persistierende Beschwerden: Symptome, die sich nach der Operation nie vollständig gebessert haben
– rezidivierende Beschwerden: zunächst deutliche Besserung, später erneutes Auftreten typischer Symptome
Diese Unterscheidung ist wichtig. Sie beeinflusst die weitere Diagnostik und Therapieplanung.
Warum kommt das Karpaltunnelsyndrom nach der Operation zurück?
Ein erneutes Karpaltunnelsyndrom entsteht nicht „einfach so“. Meist gibt es nachvollziehbare Gründe.
→ Unvollständige Durchtrennung des Retinaculums
In seltenen Fällen wurde das quer verlaufende Band über dem Karpaltunnel nicht vollständig durchtrennt. Der Nerv bleibt dann teilweise unter Druck.
Dies kann vor allem bei anatomischen Besonderheiten oder eingeschränkter Übersicht während des Eingriffs vorkommen.
→ Narbenbildung im Operationsgebiet
Nach jeder Operation bildet sich Narbengewebe. In manchen Fällen kann dieses Gewebe den Nerv erneut irritieren oder fixieren.
Typisch sind Beschwerden, die zunächst besser waren und später schleichend zurückkehren.
→ Fortschreitende Grunderkrankungen
Systemische Faktoren wie Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen oder entzündliche Prozesse können die Nervenfunktion zusätzlich beeinträchtigen. In solchen Fällen liegt nicht zwingend ein mechanisches Problem allein vor.
→ Falsche oder zusätzliche Diagnose
Nicht jedes Kribbeln in der Hand ist ein Karpaltunnelsyndrom. Beschwerden aus der Halswirbelsäule, eine Polyneuropathie oder andere Engpasssyndrome können ähnliche Symptome verursachen.
Gerade bei anhaltenden Beschwerden nach OP sollte die ursprüngliche Diagnose kritisch überprüft werden.
Typische Symptome bei erneutem Karpaltunnelsyndrom
Wiederkehrende Beschwerden ähneln meist den ursprünglichen Symptomen: nächtliches Kribbeln oder Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger, erneutes „Einschlafen“ der Hand, Kraftverlust beim Greifen und Schmerzen im Bereich des Handgelenks.
Entscheidend ist der zeitliche Verlauf. Eine genaue Anamnese ist hier wichtiger als vorschnelle Schlussfolgerungen.
Wie wird ein Rezidiv abgeklärt?
Eine strukturierte Diagnostik ist unverzichtbar. Dazu gehören:
– erneutes ärztliches Gespräch mit genauer zeitlicher Einordnung
– klinische Untersuchung
– Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (ENG)
– gegebenenfalls hochauflösender Ultraschall
Ziel ist es, zwischen Narbenproblematik, unvollständiger Entlastung und anderen Ursachen zu unterscheiden.
Erst wenn klar ist, warum die Beschwerden bestehen, kann über eine erneute Operation nachgedacht werden.

Wann ist eine erneute Karpaltunnel-Operation sinnvoll?
Ein Revisionseingriff ist keine Routineentscheidung. Er kommt vor allem infrage, wenn eindeutige Hinweise auf eine erneute mechanische Einengung bestehen, die Beschwerden deutlich sind und die Lebensqualität beeinträchtigen.
Auch wenn konservative Maßnahmen keine ausreichende Besserung bringen und eine fortschreitende Nervenschädigung droht, sollte ein Revisionseingriff überlegt werden.
Wichtig ist die realistische Einschätzung:
Eine Revision ist technisch anspruchsvoller als der Ersteingriff. Das Narbengewebe verändert die anatomischen Verhältnisse.
Ablauf einer Revisionsoperation beim Karpaltunnelsyndrom
Bei einem Revisionseingriff wird das Operationsgebiet erneut eröffnet.
Ziele sind die vollständige Darstellung des Nervus medianus, die Lösung von Narbenverwachsungen und eine sichere und vollständige Entlastung
In bestimmten Fällen können zusätzliche Techniken notwendig sein, um den Nerv besser vor erneuter Narbenbildung zu schützen.
Langfristige Ergebnisse hängen stark vom Ausmaß der bereits bestehenden Nervenschädigung ab. Je länger der Nerv unter Druck stand, desto eingeschränkter kann die Regenerationsfähigkeit sein.
Erfolgsaussichten realistisch einordnen
Die Erfolgsrate von Revisionseingriffen ist grundsätzlich gut, aber geringer als beim Ersteingriff.
Typisch sind nach dem Eingriff die Besserung der Schmerzen, eine Stabilisierung der Nervenfunktion und auch eine teilweise Rückbildung von Taubheitsgefühlen
Eine vollständige Normalisierung ist nicht in jedem Fall möglich. Genau deshalb ist eine sorgfältige Indikationsstellung entscheidend.
Was Sie jetzt tun sollten, wenn Beschwerden zurückkehren
Wenn nach einer Karpaltunnel-Operation erneut Symptome auftreten, gilt:
Nicht abwarten und auch nicht automatisch von einem „OP-Versagen“ ausgehen, aber auch nicht verharmlosen.
Eine frühzeitige fachärztliche Abklärung verbessert die Chancen, die Ursache gezielt zu behandeln und eine dauerhafte Nervenschädigung zu vermeiden.
Fachliche Einordnung zum Abschluss
Ein wiederkehrendes Karpaltunnelsyndrom ist selten, aber medizinisch erklärbar. Es bedeutet nicht automatisch einen Behandlungsfehler.
Entscheidend ist eine ruhige, strukturierte Neubewertung der Situation. Erst wenn die Ursache klar ist, lässt sich entscheiden, ob ein Revisionseingriff sinnvoll ist oder ob eine andere Behandlung zielführender ist.
Sich Klarheit zu verschaffen, ist hier wichtiger als schnelle Entscheidungen.

Mein Name ist Dr. Georg Bézard
Ich bin Facharzt für Orthopädie, Traumatologie und Unfallchirurgie mit Spezialisierung auf die arthroskopische und endoskopische Chirurgie.
Ein besonderer Schwerpunkt meiner Tätigkeit liegt seit vielen Jahren auf der
endoskopischen Behandlung des Karpaltunnelsyndroms, auf das ich mich konsequent
spezialisiert habe.
Die kameraassistierte Schlüsselloch-Technik verbindet für mich moderne
Gelenkchirurgie mit präziser Handchirurgie.
In meiner Praxis, auf meinen digitalen Kanälen und in meinem Newsletter erkläre
ich medizinische Zusammenhänge verständlich und klar.