
Oberarzt für Orthopädie, Traumatologie und Unfallchirurgie · seit 18 Jahren spezialisiert auf minimalinvasive Techniken beim Karpaltunnelsyndrom – ultraschallgezielt ohne Hautschnitt, endoskopisch und bei Revisionen · Wien & Tulln
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Hinter „ultraschallgeführt“ stecken mehrere Techniken, die sich in einem Punkt unterscheiden: wie das Karpalband durchtrennt wird.
Punktion, Endoskopie, Klinge und Faden im nüchternen Vergleich.
„Ultraschallgeführte Karpaltunnel-OP“ klingt nach einem einzigen Verfahren. Tatsächlich verbergen sich dahinter mehrere Techniken, die sich in einem entscheidenden Punkt unterscheiden: wie das Karpalband durchtrennt wird. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 hat die minimalinvasiven Verfahren erstmals systematisch nach diesem Kriterium geordnet und kommt auf acht Techniken – zwei endoskopische und sechs ultraschallgeführte. Für Patientinnen und Patienten ist das nicht bloß Systematik: Von der Schneidemechanik hängen Zugangsgröße, Erholungszeit und Risikoprofil ab.
Hier die drei ultraschallgeführten Verfahren, die im deutschsprachigen Raum praktisch eine Rolle spielen, und die endoskopische Operation. Ich beginne mit den beiden Verfahren, die wir anbieten: dem Punktionsinstrument an erster und der endoskopischen Operation an zweiter Stelle.
Das Wichtigste in Kürze
• Punktionsinstrument – ein 1,5-Millimeter-Instrument durch eine Kanüle, ohne Schnitt, ohne Naht und ohne Blutsperre. Damit arbeiten wir an erster Stelle.
• Endoskopisch – kein Ultraschall, sondern Kamerasicht über etwa fünf Millimeter Zugang; seit Jahrzehnten im Einsatz. Bei uns an zweiter Stelle.
• Rückziehbare Klinge – etwa fünf Millimeter Zugang, untersucht in einer großen multizentrischen Studie.
• Fadentechnik (TCTR) – eine Fadensäge zersägt das Band von innen, ohne Schnitt.
• Alle vier führen zum selben Ziel. Sie unterscheiden sich darin, wie viel Gewebe der Zugang kostet – und ob eine Naht nötig ist.
1. Das Punktionsinstrument
Hier wird die Haut mit einer Kanüle punktiert – kein Schnitt, keine Naht. Durch diese Punktion wird ein etwa 1,5 Millimeter dünnes Instrument eingeführt, das das Karpalband mit oszillierenden Bewegungen durchtrennt. Die Spaltung erfolgt auf der Kleinfingerseite, zwischen den Muskelansätzen und in sicherem Abstand zum Mittelnerv. Der Instrumentenschaft trägt eine spiralige Rillung, die ihn im Ultraschall besser sichtbar macht. Mit diesem Verfahren – dem SpireCut®-System – arbeiten wir.
Die veröffentlichte prospektive Untersuchung umfasst 15 Karpaltunnel-Patienten. Die Spaltung gelang in allen Fällen, es traten keine unerwünschten Ereignisse auf, die Eingriffsdauer lag bei durchschnittlich zehneinhalb Minuten. Nach einer Woche konnten alle wieder die Hände waschen und 80 Prozent den Alltag bewältigen; nach zwei Monaten waren alle Beschwerden im Alltag zurück auf Normalmaß. Die nächtlichen Beschwerden gingen von 100 Prozent vor dem Eingriff auf 20 Prozent nach zwei Monaten zurück.
Was dafür spricht: der kleinste Zugang von allen – eine Kanülenpunktion statt eines Schnitts, keine Naht, kein Fadenzug, keine Blutleere-Manschette. Dazu örtliche Betäubung. Worauf es ankommt: klare anatomische Verhältnisse im Ultraschall – das klärt die Untersuchung vor dem Eingriff.
2. Die endoskopische Operation
Kein Ultraschall, sondern eine Kamera: Über einen etwa fünf Millimeter kleinen Zugang wird das Karpalband unter direkter Sicht gespalten. Die Einportal-Endoskopie ist seit Jahrzehnten im Einsatz und gut untersucht; Netzwerk-Metaanalysen zeigen deutliche funktionelle Vorteile gegenüber der offenen Operation in der Frühphase.
Was dafür spricht: direkte Kamerasicht und eine große Erfahrung mit dem Verfahren. Was dagegen spricht: Es bleibt ein Hautschnitt, der genäht wird; die Fäden werden nach rund zwei Wochen entfernt. Bei uns ist die endoskopische Operation das Verfahren an zweiter Stelle – etwa wenn die Verhältnisse im Ultraschall für die Punktion nicht eindeutig genug sind.
3. Die rückziehbare Klinge
Über einen etwa fünf Millimeter langen Zugang am Handgelenk wird ein Einweginstrument in den Karpaltunnel eingeführt. Zwei kleine Ballons schaffen Platz und schieben Nerv und Sehnen aus dem Weg; erst dann fährt eine Klinge aus und durchtrennt das Band beim Zurückziehen des Instruments – daher der Name.
Das Verfahren ist gut untersucht: Die multizentrische ROBUST-Studie behandelte 149 Patientinnen und Patienten (226 Hände) an sieben Zentren, sämtlich in örtlicher Betäubung und ohne Blutleere. Ergebnisse: Rückkehr zu normalen Aktivitäten nach im Mittel zwei Tagen, in den Beruf nach vier Tagen; ein Viertel war schon am Tag danach wieder arbeitsfähig, 94 Prozent innerhalb von zwei Wochen. Kein einziger Eingriff musste auf eine offene Operation umgestellt werden.
Was dafür spricht: eine große multizentrische Studie mit raschen Rückkehrzeiten. Was dagegen spricht: Es bleibt ein Hautschnitt, und der Zugang ist mit fünf Millimetern so groß wie beim endoskopischen Verfahren.
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4. Die Fadentechnik (TCTR)
Ein charmant simples Prinzip: Über zwei Nadelstiche – einen oberhalb, einen unterhalb des Karpalbands – wird ein Faden so eingeführt, dass er das Band umschlingt. Dann zieht der Operateur die Fadenenden abwechselnd hin und her, wie eine Drahtsäge. Das Band wird von innen nach außen durchtrennt, die Haut bleibt bis auf die zwei Einstiche unversehrt.
Die Technik ist echt schnittfrei und wurde unter anderem an der Mayo Clinic untersucht. In einer randomisierten Studie mit elf Patienten mit beidseitigem Karpaltunnelsyndrom wurde jeweils eine Hand mit der Fadentechnik und die andere klassisch mini-offen operiert – derselbe Patient, derselbe Tag, direkter Vergleich. Nach zwölf Monaten fand sich kein Unterschied in Funktion, Schmerz oder Kraft. Nahezu alle Teilnehmer bevorzugten die Fadentechnik und begründeten das mit schnellerer Erholung und weniger Schmerz.
Was dafür spricht: kein Schnitt, und ein methodisch eleganter Vergleich am selben Menschen. Was dagegen spricht: sehr kleine Fallzahlen, und die Technik ist anspruchsvoll – das Einfädeln erfordert erhebliche Übung.
Die Verfahren nebeneinander
Zugang
Punktionsinstrument: eine Kanülenpunktion · Endoskopisch: ca. 5 mm Schnitt · Rückziehbare Klinge: ca. 5 mm Schnitt · Fadentechnik: zwei Nadelstiche · Offen: 3–5 cm Schnitt
Naht nötig?
Punktionsinstrument: nein · Endoskopisch: ja · Rückziehbare Klinge: meist ja · Fadentechnik: nein · Offen: ja
Sicht während des Eingriffs
Punktionsinstrument: Ultraschall in Echtzeit · Endoskopisch: Kamera · Rückziehbare Klinge und Fadentechnik: Ultraschall in Echtzeit · Offen: direkte Sicht
Studien
Punktionsinstrument: prospektive Studie, vollständige Spaltung in allen Fällen · Endoskopisch: zahlreiche Studien und Metaanalysen · Rückziehbare Klinge: randomisiert und multizentrisch · Fadentechnik: kleine randomisierte Studie · Offen: sehr groß. Für die ultraschallgeführte Spaltung insgesamt liegt eine Metaanalyse randomisierter Studien vor.
Warum wir uns für das Punktionsverfahren entschieden haben
Bei uns steht das Punktionsverfahren an erster Stelle, die endoskopische Operation an zweiter.
Der Grund dafür ist einfach: Es ist das einzige Verfahren, bei dem gar keine Wunde entsteht. Dazu kommt: Der Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung und ohne Blutsperre. Keine Naht heißt kein Fadenzug, keine Wundpflege über Wochen, kein Nässe-Verbot, keine Narbe. Für Menschen, die beruflich früh wieder zugreifen müssen, für alle, die schon einmal eine schlecht heilende Narbe hatten, und für die vielen, die eine Operation vor allem wegen der Wunde vor sich herschieben, ist das kein kosmetisches Detail, sondern der Unterschied zwischen „mache ich“ und „mache ich später irgendwann“.
Was das Verfahren nicht ist: schneller in der Nervenerholung. Wie rasch Taubheit und Kribbeln zurückgehen, hängt vom Schweregrad und der Dauer der Beschwerden ab, nicht davon, wie groß der Zugang war. Und auch das Pillar-Syndrom kann nach jeder Form der Bandspaltung auftreten.
Was heißt das für Ihre Entscheidung?
Die ehrliche Antwort: Alle vier Verfahren durchtrennen dasselbe Band und beseitigen dieselbe Enge. Die Unterschiede liegen im Zugang und in der Erholung der ersten Tage – nicht im langfristigen Ergebnis. Wichtiger als das Verfahren ist, dass die Diagnose stimmt, dass die Spaltung vollständig erfolgt und dass jemand operiert, der die gewählte Technik regelmäßig anwendet.
Welche Technik zu Ihrer Hand passt, entscheidet sich am Befund. Die Kriterien dafür habe ich hier zusammengestellt; wie der schnittfreie Eingriff konkret abläuft, lesen Sie unter Karpaltunnel-OP ohne Schnitt.
Häufige Fragen
Welches Ultraschallverfahren ist das beste?
Es gibt kein bestes für jede Hand. Das Punktionsverfahren hat den kleinsten Zugang – keinen Schnitt, keine Naht –, die rückziehbare Klinge ist in einer großen multizentrischen Studie untersucht. Was für Sie passt, hängt vom Befund und von Ihren Prioritäten ab.
Ultraschallgeführt oder endoskopisch – worin liegt der Unterschied?
Beide führen zum selben Ziel, der vollständigen Spaltung des Karpalbands. Der Unterschied liegt im Zugang: Das Punktionsverfahren kommt ohne Hautschnitt, ohne Naht und ohne Blutsperre aus, die endoskopische Operation braucht einen etwa fünf Millimeter kleinen Schnitt. Bei uns steht das Punktionsverfahren an erster, die Endoskopie an zweiter Stelle.
Wird das Band bei allen Verfahren gleich vollständig durchtrennt?
Das ist die entscheidende Frage bei jeder Technik. Bei den ultraschallgeführten Verfahren wird die Vollständigkeit unmittelbar nach der Spaltung sonografisch überprüft.
Welche Verfahren bieten Sie an?
Das Punktionsverfahren (SpireCut®) an erster und die endoskopische Operation an zweiter Stelle. Welches zu Ihrer Hand passt, klärt die Untersuchung mit Ultraschall in der Ordination.
Quellen
• Mechanismusbasierte Klassifikation der endoskopischen und ultraschallgeführten Karpaltunnelspaltung, Journal of Clinical Medicine 2026: doi.org/10.3390/jcm15166130
• ROBUST-Studie, 6-Monats-Ergebnisse: PMC11133848
• Randomisierter Vergleich Fadentechnik gegen Mini-offen: PubMed 40327736
• Prospektive Untersuchung des Punktionsinstruments, Journal of Ultrasound 2024: PMC11496405
• Metaanalyse ultraschallgeführt gegen offen/mini-offen: PMC11962905
Dr. Bézard erklärt es im Video
Karpaltunnel-OP: endoskopisch oder offen? Die UnterschiedeZugang, Schmerzen, Erholungszeit und Risiken der endoskopischen gegenüber der offenen Karpaltunnel-Operation, erklärt von OA Dr. Georg C. Bézard.