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Karpaltunnel-OP ohne Schnitt: Wie die ultraschallgezielte Spaltung funktioniert

Karpaltunnel-OP ohne Schnitt: Wie die ultraschallgezielte Spaltung funktioniert
OA Dr. Georg C. Bézard

OA Dr. Georg C. Bézard

Oberarzt für Orthopädie, Traumatologie und Unfallchirurgie · seit 18 Jahren spezialisiert auf minimalinvasive Techniken beim Karpaltunnelsyndrom – ultraschallgezielt ohne Hautschnitt, endoskopisch und bei Revisionen · Wien & Tulln

Kostenlose Erstabklärung am TelefonSie müssen dafür nicht in die Ordination kommen. In 15 Minuten klären wir telefonisch oder per Video, wie Ihre Beschwerden einzuordnen sind und ob überhaupt eine Operation nötig ist – auch als Zweitmeinung.

Das Karpalband lässt sich über eine Punktion durchtrennen – ohne Hautschnitt, ohne Naht, in örtlicher Betäubung und ohne Blutsperre.
Wie der Eingriff abläuft, was die Studien zeigen und für wen er infrage kommt.

„Kann man das Karpaltunnelsyndrom auch ohne Schnitt operieren?“ Diese Frage höre ich in der Ordination inzwischen fast täglich. Die kurze Antwort: Ja. Die ultraschallgezielte Spaltung des Karpalbands kommt ohne Hautschnitt und ohne Naht aus – in örtlicher Betäubung und ohne Blutsperre. Sie ist in randomisierten und multizentrischen Studien geprüft, und wir setzen sie in Wien und Tulln ein. Bei mir steht sie unter den operativen Verfahren an erster Stelle, die endoskopische Operation an zweiter.

Das Wichtigste in Kürze

• Bei der ultraschallgezielten Spaltung wird das Karpalband über eine Punktion mit einer Kanüle durchtrennt – kein Hautschnitt, keine Naht.
• Der gesamte Eingriff wird in Echtzeit im Ultraschall mitverfolgt, ohne Röntgen und ohne Kamera im Handgelenk.
• Er dauert rund zehn Minuten, findet in örtlicher Betäubung statt und braucht keine Blutsperre.
• Studien zeigen, dass ultraschallgeführte Verfahren im Schnitt rund drei Wochen früher in den Alltag zurückführen als die klassische offene Operation.
• Ob das Verfahren zu Ihrer Hand passt, zeigt der Ultraschall vor dem Eingriff. Nach einer Voroperation am selben Handgelenk oder bei unklarer Anatomie operiere ich endoskopisch oder offen.

Was „ohne Schnitt“ tatsächlich bedeutet

Der Begriff wird oft großzügig verwendet, deshalb hier die klare Abgrenzung der drei Zugangswege:

Die ultraschallgezielte Spaltung kommt ganz ohne Schnitt aus: Die Haut wird mit einer Kanüle punktiert – so, wie bei einer Blutabnahme oder einer Infusion. Durch diese Punktion wird ein etwa 1,5 Millimeter dünnes Instrument eingeführt. Es gibt keine Wunde, die genäht werden müsste, und entsprechend auch keine Nahtentfernung.

Die endoskopische Operation kommt mit etwa fünf Millimetern aus. Über diesen kleinen Zugang wird eine Kamera eingeführt, das Band wird unter Kamerasicht gespalten. Die Hohlhand bleibt unversehrt – das ist der Grund, warum die Schmerzen danach deutlich geringer sind als nach der offenen Operation. Die Unterschiede zwischen offen und endoskopisch habe ich hier ausführlich beschrieben.

Die offene Operation braucht einen Schnitt in der Hohlhand, meist drei bis fünf Zentimeter lang. Die Haut, das Unterhautgewebe und die Hohlhandfaszie werden durchtrennt, um das Karpalband unter Sicht zu erreichen. Das ist das älteste Verfahren – und das mit der längsten Erholungszeit.

Wenn also jemand fragt, ob man das Karpaltunnelsyndrom „ohne Schnitt“ operieren kann: Genau das ist gemeint.

Wie der Eingriff abläuft

1. Vorbereitung. Sie sitzen oder liegen, der Arm liegt auf einer Handstütze. Es braucht keine Blutleere-Manschette am Oberarm – jene Manschette, die viele Patienten als den unangenehmsten Teil einer Handoperation beschreiben.

2. Örtliche Betäubung unter Ultraschallkontrolle. Das Betäubungsmittel wird gezielt dort platziert, wo es gebraucht wird: oberflächlich und unter dem Karpalband. Der Ultraschall zeigt dabei, wohin die Flüssigkeit läuft. Sie bleiben wach und ansprechbar, eine Narkose ist nicht nötig.

3. Die Punktion. Über eine Kanüle wird das Instrument eingeführt. Das ist der Moment, in dem bei anderen Verfahren das Skalpell zum Einsatz käme.

4. Die Spaltung. Das Karpalband wird durchtrennt – und zwar auf der Kleinfingerseite, in sicherem Abstand zum Mittelnerv. Der Ultraschall zeigt währenddessen in Echtzeit, wo das Instrument steht, wo der Nerv liegt und wie weit das Band bereits gespalten ist.

5. Kontrolle. Zum Abschluss wird sonografisch überprüft, ob das Band vollständig durchtrennt ist. Diese Kontrolle ist ein wesentlicher Punkt: Eine unvollständige Spaltung ist einer der häufigsten Gründe, warum Beschwerden nach einer Karpaltunneloperation nicht verschwinden.

6. Danach. Ein Pflaster, kein Verband über Wochen, keine Naht. Der gesamte Eingriff dauert in der veröffentlichten Studie im Mittel zehneinhalb Minuten.

Warum ausgerechnet Ultraschall?

Der moderne hochauflösende Ultraschall zeigt am Handgelenk Strukturen im Zehntelmillimeter-Bereich: den Mittelnerv, die Sehnen, die Gefäße, das Karpalband selbst. Und er zeigt sie bewegt und in Echtzeit – nicht als Standbild wie ein Röntgen oder MRT.

Für einen Eingriff, bei dem es auf wenige Millimeter Abstand zum Nerv ankommt, ist das der entscheidende Vorteil: Ich sehe nicht nur, wo das Instrument gerade ist, ich sehe auch, wie sich die Strukturen darum verschieben, wenn ich es bewege. Dazu kommt: kein Strahlenschutz, keine Röntgenstrahlung, kein Kontrastmittel.

Unsicher, was in Ihrem Fall sinnvoll ist?

15 Minuten, kostenlos und unverbindlich – telefonisch oder per Telemedizin. Ordinationen in Wien (Döbling) und Tulln.

Was die Studien zeigen

Die ultraschallgeführte Karpaltunnelspaltung ist inzwischen mehrfach kontrolliert untersucht worden. Die aussagekräftigste Zusammenfassung ist eine Metaanalyse randomisierter Studien mit insgesamt 221 Patientinnen und Patienten. Ihr Ergebnis:

• Rückkehr in den Alltag rund 21 Tage früher als nach der offenen Operation (mittlere Differenz −20,8 Tage).
• Bessere Funktionswerte nach drei Monaten gegenüber der offenen Operation.
• Kein Unterschied bei den Komplikationen – insgesamt 14 Komplikationen bei 221 Behandelten (6,3 %).

Eine große multizentrische Studie aus sieben Zentren (149 Patienten, 226 Hände) mit einem ultraschallgeführten Klingeninstrument fand eine Rückkehr zu normalen Aktivitäten nach im Mittel zwei Tagen und in den Beruf nach vier Tagen; 94 Prozent waren nach sechs Monaten mit dem Eingriff zufrieden, keine Operation musste auf ein offenes Verfahren umgestellt werden.

Für das schnittfreie Punktionsverfahren, das wir einsetzen, liegt eine prospektive Untersuchung vor: Bei allen behandelten Händen gelang die vollständige Spaltung, es traten keine unerwünschten Ereignisse auf. Nach einer Woche konnten alle Patienten wieder die Hände waschen, 80 Prozent den Alltag bewältigen; nach zwei Monaten waren alle wieder bei ihren gewohnten Tätigkeiten.

Was das für die Einordnung heißt: Die Studien zeigen für die ultraschallgeführte Spaltung eine vollständige Durchtrennung des Bandes, eine frühe Rückkehr in den Alltag und keinen Unterschied bei den Komplikationen gegenüber der offenen Operation. Beim schnittfreien Punktionsverfahren kommt hinzu, dass gar keine Wunde entsteht.

Was das für Ihre Erholung heißt

Weil weder Haut noch Hohlhandfaszie durchtrennt werden, fehlt die Wunde, die sonst die ersten Tage bestimmt. Praktisch bedeutet das: kein Fadenzug, keine wochenlange Wundpflege, Duschen meist nach kurzer Zeit wieder möglich, und die Hand darf früh benutzt werden.

Was bleibt: Die durchtrennten Bandenden müssen zusammenwachsen, und der Nerv braucht Zeit, sich zu erholen. Das ist bei jedem Verfahren so. Ein häufiges Missverständnis ist, dass die schnittfreie Technik auch die Nervenerholung beschleunigt – das tut sie nicht. Wie lange die Taubheit zurückgeht, hängt vom Schweregrad ab, nicht von der Zugangsgröße. Auch das Pillar-Syndrom, der Druckschmerz im Handballen, kann nach jeder Form der Bandspaltung auftreten.

Wann ein anderes Verfahren besser passt

Ein anderes Verfahren – in der Regel die endoskopische Operation – wähle ich, wenn die Anatomie im Ultraschall nicht zweifelsfrei darstellbar ist, wenn bereits am selben Handgelenk operiert wurde und Narbengewebe die Verhältnisse verändert hat, oder wenn im Karpaltunnel etwas mitbehandelt werden muss, das über die reine Bandspaltung hinausgeht. Dann ist ein anderes Verfahren nicht die schlechtere, sondern die richtige Wahl. Welche Kriterien im Einzelnen zählen, habe ich in einem eigenen Beitrag zusammengestellt.

Wie es bei uns abläuft

Am Anfang steht immer die Abklärung: Beschwerdebild, klinische Untersuchung, Ultraschall und Nervenleitgeschwindigkeitsmessung. Erst danach lässt sich sagen, ob eine Operation sinnvoll ist – und wenn ja, welche. Beraten werden Sie von mir persönlich, in Wien (Döbling) oder in Tulln, auf Wunsch zuerst telefonisch oder per Telemedizin.

Welche ultraschallgeführten Techniken es überhaupt gibt und worin sie sich unterscheiden, lesen Sie im Vergleich der Verfahren. Details zu dem System, mit dem wir arbeiten, finden Sie auf der Seite zur SpireCut®-Methode.

Häufige Fragen

Ist die Operation ohne Schnitt schmerzhafter oder weniger schmerzhaft?
In aller Regel weniger. Es gibt keine Schnittwunde und keine durchtrennte Hohlhandfaszie – das sind die beiden Quellen, aus denen der Wundschmerz nach einer klassischen Operation stammt.

Bekomme ich eine Narbe?
Eine Punktionsstelle heilt wie ein Nadelstich ab. Eine Narbe im eigentlichen Sinn bleibt nicht zurück.

Brauche ich eine Narkose?
Nein. Der Eingriff findet in örtlicher Betäubung statt, Sie sind wach. Eine Kurznarkose ist auf Wunsch möglich, aber nicht erforderlich.

Wie lange bin ich im Krankenstand?
Das hängt stark vom Beruf ab. In den Studien lag die Rückkehr in den Beruf je nach Verfahren zwischen vier und rund zehn Tagen. Bei körperlich schwerer Arbeit rechne ich mit mehr.

Können beide Hände gleichzeitig behandelt werden?
Ja, das ist bei den minimalinvasiven Verfahren möglich und wird häufig so gemacht.

Ist das eine Kassenleistung?
Das hängt von Ihrer Versicherung ab. Eine Übersicht finden Sie unter Kosten der Karpaltunnel-OP; im kostenlosen Erstgespräch klären wir Ihren konkreten Fall.

Quellen

• Metaanalyse randomisierter Studien zur ultraschallgeführten gegenüber der offenen und Mini-offenen Karpaltunnelspaltung: PMC11962905
• Multizentrische Studie zur ultraschallgeführten Karpaltunnelspaltung in der Ordination (ROBUST): PMC11133848
• Prospektive Untersuchung des perkutanen Punktionsinstruments (Journal of Ultrasound, 2024): PMC11496405

Dr. Bézard erklärt es im Video

Karpaltunnel-OP: endoskopisch oder offen? Die UnterschiedeZugang, Schmerzen, Erholungszeit und Risiken der endoskopischen gegenüber der offenen Karpaltunnel-Operation, erklärt von OA Dr. Georg C. Bézard.

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