
Oberarzt für Orthopädie, Traumatologie und Unfallchirurgie · seit 18 Jahren spezialisiert auf minimalinvasive Techniken beim Karpaltunnelsyndrom – ultraschallgezielt ohne Hautschnitt, endoskopisch und bei Revisionen · Wien & Tulln
Revision nach Karpaltunnel-OPKostenlose Erstabklärung am Telefon oder per Video. In 15 Minuten besprechen wir Ihren Verlauf, Ihre Befunde und welche Untersuchung jetzt sinnvoll ist – auch als Zweitmeinung nach einer Operation andernorts.
Nach der Operation war alles gut, jetzt schläft die Hand wieder ein.
Was ein echtes Rezidiv ist, wie häufig es vorkommt und wie man es von Beschwerden unterscheidet, die nie besser geworden sind.
„Zwei Jahre war alles gut, und jetzt schläft mir die Hand wieder ein. Ist das Karpaltunnelsyndrom nach der OP wieder da?“ Mit dieser Frage kommen regelmäßig Patientinnen und Patienten zu mir, oft verunsichert und manchmal mit dem Gefühl, bei der ersten Operation sei etwas schiefgegangen. Die Abklärung von Beschwerden nach einer Karpaltunnel-Operation ist ein Schwerpunkt meiner Arbeit. Hier erkläre ich, was ein echtes Rezidiv ist, wie häufig es vorkommt, wie man es von anderen Ursachen unterscheidet und was man dagegen tun kann.
Das Wichtigste in Kürze
• Ein echtes Rezidiv heißt: Nach der Operation waren die Beschwerden zunächst deutlich besser, und erst Monate oder Jahre später kommen sie wieder. Davon zu unterscheiden sind Beschwerden, die nie besser geworden sind.
• Eine erneute Operation ist selten: Nur etwa einer bis zwei von hundert Operierten werden an derselben Hand ein zweites Mal operiert.
• Häufigste Ursache bei Revisionen ist ein nicht vollständig gespaltenes Karpalband, dazu kommt Narbengewebe, das den Nerv einengt oder festhält.
• Für die Abklärung sind Ultraschall und Nervenleitgeschwindigkeit entscheidend, am besten im Vergleich mit den Befunden vor der ersten Operation.
• Nicht jede Restbeschwerde ist ein Rezidiv. Taubheit, die schon vor der OP lange bestand, bildet sich oft nur langsam oder unvollständig zurück – auch nach einer einwandfreien Operation.
Rezidiv oder „nie besser geworden“? Der Verlauf entscheidet
Im Alltag wird vieles als Rezidiv bezeichnet, was medizinisch etwas anderes ist. Man unterscheidet drei Verläufe:
Persistierende Beschwerden: Die Symptome sind nach der Operation geblieben oder nur kurz und wenig besser geworden. Hier liegt der Verdacht nahe, dass der Nerv gar nicht vollständig entlastet wurde – oder dass die ursprüngliche Diagnose nicht ganz gestimmt hat.
Rezidivierende Beschwerden: Es gab eine klare, beschwerdefreie oder fast beschwerdefreie Phase, oft über Monate oder Jahre. Dann kommen Kribbeln und Einschlafen der Finger allmählich zurück, typischerweise wieder nachts. Das ist das echte Rezidiv.
Neue Beschwerden: Symptome, die es vor der Operation nicht gab, etwa ein elektrisierender Schmerz, eine neue taube Stelle oder ein brennender Dauerschmerz. Das spricht eher für eine Reizung oder Verletzung eines Nervenasts und gehört in eine eigene Abklärung.
Diese Einteilung bestimmt, wonach man sucht und welche Behandlung infrage kommt. Einen Überblick über alle Ursachen von Beschwerden nach dem Eingriff finden Sie unter Beschwerden nach der Karpaltunnel-OP.
Wie häufig ist ein Rezidiv nach der Karpaltunnel-OP?
Die beruhigende Nachricht zuerst: Eine zweite Operation ist die Ausnahme. Eine große Untersuchung mit über 7.000 Operierten zeigte, dass nur etwa einer bis zwei von hundert an derselben Hand ein zweites Mal operiert wurden, im Mittel gut ein Jahr nach dem ersten Eingriff.
Dabei werden Operationen gezählt, nicht Beschwerden. Unter den Patientinnen und Patienten, die ein zweites Mal operiert werden, ist das echte Rezidiv sogar die kleinere Gruppe. Häufiger sind Beschwerden, die nie ganz weg waren.
Warum Beschwerden zurückkommen können
Bei Revisionen findet sich am häufigsten ein nicht vollständig durchtrenntes Karpalband. Oft ist der Nerv außerdem in Narbengewebe fixiert oder davon umschlossen. Seltener findet man eine Verletzung eines Nervs bei der ersten Operation oder einen Tumor im Karpaltunnel, und manchmal lässt sich keine eindeutige Ursache finden.
Für das echte Rezidiv, also die Rückkehr nach einer guten Phase, ist Narbengewebe die typische Erklärung. Nach der Spaltung heilt das Band über Narbengewebe, und der Tunnel bleibt dabei normalerweise weiter als zuvor. In seltenen Fällen bildet sich so viel straffes Narbengewebe, dass der Nerv erneut eingeengt oder in seiner Gleitbewegung behindert wird.
Das unvollständig gespaltene Band dagegen erklärt vor allem jene Beschwerden, die nach der Operation gar nicht erst besser wurden. Die Karpaltunnel-Operation gilt als kleiner Routineeingriff und wird sehr häufig durchgeführt, auch von Ärztinnen und Ärzten, die sie nur gelegentlich machen. Das Band ist an seinem Ende in der Hohlhand und an seinem Anfang am Unterarm schwer einzusehen, und gerade dort bleibt am ehesten ein Rest stehen. Wichtig ist, die Ursache sauber zu finden, nicht einen Schuldigen.
Manche Beschwerden kommen auch gar nicht aus dem Karpaltunnel, etwa von der Halswirbelsäule, einer Polyneuropathie oder einem zweiten Engpass am Arm. Deshalb prüfe ich auch die ursprüngliche Diagnose noch einmal – siehe Karpaltunnelsyndrom oder Halswirbelsäule.
Was kein Rezidiv ist: wenn der Nerv Zeit braucht
Dieser Punkt erzeugt viel unnötige Sorge. Eine Operation nimmt den Druck vom Nerv. Sie repariert aber nicht, was der Nerv in den Monaten oder Jahren davor an Schaden genommen hat. Je länger und stärker der Nerv eingeengt war, desto langsamer und unvollständiger erholt er sich.
Wer also vor der Operation schon dauerhaft taube Fingerkuppen oder einen geschwundenen Daumenballen hatte, behält manchmal ein Restgefühl der Taubheit – obwohl der Eingriff technisch korrekt war und das Band vollständig gespalten ist. Das ist kein Operationsfehler und kein Rezidiv. Was Sie in dieser Situation erwarten können, steht unter Taubheit nach der Karpaltunnel-OP. Wie man den Schweregrad vor einer Operation einordnet, erklärt der Beitrag zu den Schweregraden des Karpaltunnelsyndroms.
Ebenfalls kein Rezidiv sind Druckschmerzen im Handballen neben der Narbe in den ersten Monaten. Dieses sogenannte Pillar-Syndrom hat mit dem Nerv nichts zu tun und bildet sich in aller Regel von selbst zurück.
Wie ich ein Rezidiv abkläre
Das Gespräch. Wie war es vor der Operation, wie in den ersten Wochen danach, gab es eine gute Phase, und wann hat sich was verändert? Dazu Grunderkrankungen wie Diabetes, Schilddrüse oder Rheuma.
Die klinische Untersuchung. Gefühl an den einzelnen Fingern, Kraft und Muskulatur des Daumenballens, Narbe und Handballen, dazu Halswirbelsäule und Ellbogen, um andere Engstellen nicht zu übersehen.
Der hochauflösende Ultraschall. Er zeigt das Karpalband, den Nerv und das Narbengewebe direkt. Ein stehen gebliebener Bandrest schnürt den Nerv sanduhrförmig ein und liegt meist am Anfang des Bandes Richtung Unterarm. Auch ob der Nerv in Narbe fixiert ist, lässt sich beurteilen.
Die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG). Sie misst, wie gut der Nerv leitet. Nach einer Operation braucht diese Messung allerdings ihren Bezugspunkt: Die Werte erholen sich über Monate, und wie stark sie sich bessern, hängt vom Ausgangswert ab. Eine einzelne Messung nach der OP sagt deshalb wenig. Aussagekräftig ist der Vergleich mit dem Befund vor der ersten Operation. Bringen Sie daher alle Vorbefunde mit. Warum ich beide Untersuchungen kombiniere, beschreibt der Beitrag Ultraschall oder NLG.
Zur ersten Einordnung können Sie den Selbsttest zum Karpaltunnelsyndrom machen. Er ersetzt keine Untersuchung.
Unsicher, was in Ihrem Fall sinnvoll ist?
15 Minuten, kostenlos und unverbindlich – telefonisch oder per Telemedizin. Ordinationen in Wien (Döbling) und Tulln.
Behandlung: nicht jedes Rezidiv muss operiert werden
Sind die Beschwerden leicht, treten sie vor allem nachts auf und zeigen Ultraschall und Messung keine deutliche Einengung, beginne ich konservativ: mit einer nächtlichen Handgelenkschiene, der Behandlung von Grunderkrankungen und gegebenenfalls einer ultraschallgezielten Infiltration.
Eine Revisionsoperation ist sinnvoll, wenn eine mechanische Ursache nachweisbar ist, etwa ein stehen gebliebener Bandrest oder ein in Narbe eingemauerter Nerv, und wenn die Beschwerden deutlich sind oder die Messwerte schlechter werden.
Für Ersteingriffe setze ich die ultraschallgezielte Spaltung mit SpireCut ein (ohne Hautschnitt, in örtlicher Betäubung und ohne Blutsperre) sowie die endoskopische Technik. Bei einer Revision ist das nicht möglich: Sie kann weder endoskopisch noch ultraschallgezielt operiert werden. Es braucht einen Schnitt, damit ich den Nerv und das Narbengewebe direkt sehe. Meistens reicht ein mini-offener Zugang. Bei komplexen Revisionen, etwa wenn ein Nerv verletzt wurde, muss auch einmal ein größerer Schnitt gemacht werden. Wie eine solche Revision abläuft und was man realistisch erwarten kann, beschreibe ich unter Revisionsoperation nach Karpaltunnel-OP.
Ehrlich gesagt: Die Ergebnisse sind gut, aber schlechter vorhersagbar als bei der Erstoperation. Wird ein stehen gebliebener Bandrest gespalten, berichten rund neun von zehn über eine Besserung. Bei echten Rezidiven ist die Besserungsrate ähnlich, es bleiben aber häufiger Einschränkungen zurück.
Wenn Sie bereits operiert sind und unsicher, ob Ihre Beschwerden ein Rezidiv sind, kann eine Zweitmeinung nach der Karpaltunnel-OP Klarheit bringen. Das erste Gespräch ist kostenlos und per Telefon oder Video möglich.
Häufige Fragen
Kann das Karpaltunnelsyndrom nach der OP wieder zurückkommen?
Ja, aber selten. Nur etwa einer bis zwei von hundert Operierten werden ein zweites Mal operiert. Ursache eines echten Rezidivs ist meist Narbengewebe, das den Nerv erneut einengt.
Woran erkenne ich ein echtes Rezidiv?
Am Verlauf: Nach der Operation waren die Beschwerden deutlich besser, und erst Monate oder Jahre später kommen Kribbeln und Einschlafen der Finger zurück, oft wieder nachts. Sind die Beschwerden nie besser geworden, spricht man von persistierenden Beschwerden, mit anderen möglichen Ursachen.
Ist ein Rezidiv ein Operationsfehler?
Nicht unbedingt. Narbengewebe bildet sich nach jeder Operation. Ein nicht vollständig gespaltenes Band ist eine technische Ursache, zeigt sich aber meist als Beschwerden, die gar nicht erst besser wurden.
Welche Untersuchungen brauche ich bei Verdacht auf ein Rezidiv?
Klinische Untersuchung, hochauflösenden Ultraschall und Nervenleitgeschwindigkeit, am besten im Vergleich mit den Messwerten vor der ersten Operation.
Muss ein Rezidiv immer operiert werden?
Nein. Bei leichten Beschwerden ohne klare Einengung beginne ich konservativ. Eine Revision ist sinnvoll, wenn eine mechanische Ursache nachweisbar ist und die Beschwerden deutlich sind oder die Nervenfunktion schlechter wird.
Kann ein Rezidiv ohne Schnitt operiert werden?
Nein. Eine Revision kann weder endoskopisch noch ultraschallgezielt operiert werden. Es braucht einen Schnitt, damit ich Nerv und Narbengewebe direkt sehe. Meistens reicht ein mini-offener Zugang, bei komplexen Revisionen auch einmal ein größerer Schnitt.
Quellen
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• Schelle T, Schneider W, Hochauflösender Ultraschall vor Revision nach Karpaltunnel-OP, Handchir Mikrochir Plast Chir 2011: PubMed 21850610
Dr. Bézard erklärt es im Video
Karpaltunnel-OP: diese Risiken sollten Sie vorher kennenWelche Komplikationen bei der Karpaltunnel-Operation vorkommen, wie häufig sie sind und woran man sie erkennt — offen dargestellt von OA Dr. Georg C. Bézard.