Hintergrund
Wie zuverlässig ist ein Selbsttest beim Karpaltunnelsyndrom?
Das Karpaltunnelsyndrom lässt sich an der Krankengeschichte erstaunlich gut erkennen. Die deutsche S3-Leitlinie nennt das nächtliche „Einschlafen der Hand“ ein typisches Erstsymptom, das nahezu beweisend ist. Dazu passen Kribbeln in Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger, Beschwerden in der Früh und bei Tätigkeiten wie Zeitunglesen, Radfahren oder Telefonieren, und dass Ausschütteln der Hand hilft. Der kleine Finger bleibt typischerweise ausgespart, weil ihn ein anderer Nerv versorgt.
Genau diese Punkte fragt der Fragebogen von Kamath und Stothard ab. In ihrer Studie erkannte er das Karpaltunnelsyndrom bei 85 von 100 Betroffenen; wer 5 oder mehr Punkte hatte, hatte in 90 % der Fälle tatsächlich ein Karpaltunnelsyndrom, gemessen am Erfolg der Operation. Spätere Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Wert unter 3 meist mit einer unauffälligen Nervenmessung einhergeht, während sich bei 3 oder 4 Punkten keine sichere Vorhersage treffen lässt.
Was der Test nicht kann
Der Fragebogen sagt etwas über die Wahrscheinlichkeit, nicht über den Zustand des Nervs. Ob der Nerv schon Schaden genommen hat, zeigen erst die Untersuchung, der Nervenultraschall und die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Achten Sie besonders auf drei Warnzeichen: Taubheit, die auch tagsüber nicht mehr vergeht, nachlassende Kraft im Daumen und einen Daumenballen, der flacher wird. Dann sollten Sie nicht lange warten, unabhängig vom Punktwert.
Wenn Ihr Ergebnis für ein Karpaltunnelsyndrom spricht, hilft der zweite Test weiter: Ist eine Karpaltunnel-OP schon sinnvoll? Mehr zu den Symptomen finden Sie unter Karpaltunnelsyndrom erkennen.