Hintergrund
Wann wird ein Karpaltunnelsyndrom operiert?
Die S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms“ (AWMF-Register 005/003) unterscheidet zwei Situationen. Im Frühstadium, wenn nur Reizsymptome wie nächtliches Kribbeln bestehen, soll zuerst konservativ behandelt werden, vor allem mit einer Handgelenksschiene in der Nacht. Operiert werden soll bei anhaltenden Ausfällen des Nervs: wenn das Feingefühl in den Fingern nachlässt, der Daumen an Kraft verliert oder der Daumenballen schwindet. Ebenso, wenn Kribbeln und Schmerzen den Alltag deutlich beeinträchtigen oder sich durch die konservative Behandlung nicht bessern. Als Maß nennt die Leitlinie eine erfolglose Behandlung über sechs Wochen.
Schiene, Kortison, Nervenmessung
Die Nachtschiene hat unter den konservativen Mitteln die beste Datenlage. Eine Kortisoninjektion in den Karpaltunnel wirkt oft schneller, laut Leitlinie aber nur für kurze Zeit; die amerikanische Leitlinie der AAOS kommt 2024 zum Schluss, dass sie keine langfristige Besserung bringt. Bevor operiert wird, soll das Karpaltunnelsyndrom durch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit nachgewiesen sein. Den Befund allein darf man aber nicht überbewerten: Passt er nicht zu den Beschwerden, ist die Diagnose kritisch zu prüfen.
Sonderfall Schwangerschaft
In der Schwangerschaft ist das Karpaltunnelsyndrom häufig, und bei vielen Frauen bessert es sich nach der Geburt. Die Leitlinie weist allerdings darauf hin, dass die Beschwerden in mehr als der Hälfte der Fälle anhalten oder wiederkommen. Bei Ausfallserscheinungen empfiehlt sie die Operation auch in der Schwangerschaft. Mehr dazu: Karpaltunnelsyndrom in der Schwangerschaft.
Wie die Messwerte zu lesen sind, erkläre ich unter Ab welchem Messwert operieren? Noch unsicher, ob es überhaupt ein Karpaltunnelsyndrom ist? Dann beginnen Sie mit dem Selbsttest.